Nationalmuseum Ban Chiang im Landkreis Nong Han, Bezirk Udon Thani
 
Vom Museumsgebäude liegt die archäologisch hoch interessante Stätte Wat Pho Sri Nai ungefähr 700 m entfernt in östlicher Richtung. Hier kann man die original Ausgrabungsstätte sehen. Die Fundgegenstände wurden an ihren ursprünglichen Plätzen belassen.
Ban Chiang ist ein wichtiges bronzezeitliches Dorf und ein Friedhof am Zusammenfluss von drei kleinen Flüssen in der Provinz Udon Thani im Nordosten Thailands. Es ist einer der grössten prähistorischen Standorte aus der Bronzezeit in diesem Teil Thailands und misst mindestens 8 Hektar.
 
Bei verschiedenen Grabungen wurden etwa 400 Gräber gefunden. Die Fundstelle auf dem Gelände des Wat Pho Sri Nai  war die grösste und wichtigste in Ban Chiang. Die Abteilung Bildende Kunst der Regierung beschloss, den Ausgrabungsort nicht zu schliessen, sondern für die Öffentlichkeit zu erhalten. In diesem Freilichtmuseum bekommt man einen verblüffend guten Eindruck von den damaligen Aktivitäten.
Ban Chiang wurde in den 1970er Jahren ausgegraben und war eine der ersten umfangreichen Arbeiten dieser Art in Südostasien. Sie gehörte zu den frühesten multidisziplinären Bemühungen in der Archäologie. Experten auf vielen Gebieten arbeiteten zusammen, um ein möglichst vollständiges Bild des Ortes zu erstellen. Die Komplexität von Ban Chiang – mit einer voll entwickelten Metallurgie aus der Bronzezeit, jedoch ohne die in Europa und dem Rest der Welt oft damit verbundenen Waffen – war eine Offenbarung.
 
Ban Chiang  gilt unter Wissenschaftlern als die bedeutendste bisher entdeckte prähistorische Siedlung Südostasiens und markiert den Beginn und die Entwicklung der für die Region typischen Nassreiskultur. Die Stätte wurde mit wissenschaftlichen chronometrischen Mitteln (C-14 und Thermolumineszenz) datiert, die belegen, dass Ban Chiang von 1495 v. Chr. bis circa 900 vor Chr. bewohnt war.
Ban Chiang markiert eine wichtige Etappe in der kulturellen, sozialen und technologischen Evolution des Menschen. Die Stätte präsentiert in dieser Region die frühesten Zeugnisse der Landwirtschaft sowie der Herstellung und Verwendung von Metallen.
Auf dem Gelände des Wat Po Sri Nai kann man die antike Lebensweise 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung sehen. Wat Po Sri Nai ist ein offenes Museum mit einer Dauerausstellung, die den Prozess der Ausgrabung der antiken Überreste unter der Erde zeigt. Die meisten der Tonobjekte waren Grabbeilagen.
Jede stratigraphische Schicht in Ban Chiang ist aussergewöhnlich reich an Artefakten, insbesondere Keramik, die eine vollständige Typologie sowohl der häuslichen
als auch der rituellen (Bestattungs-)Handlungen darstellen. Alle wurden in den prähistorischen Bauerngemeinschaften des Ortes hergestellt.
Die Ausgrabungsstätte verfügt über aussergewöhnliche und einzigartige frühe Nachweise über die Kenntnis der Bronzeverarbeitung und der Herstellung von Keramik mit einzigartigen Ornamenten.
Diese frühen Bronzefunde machen den Standort als Produktionsstandort für Metallwerkzeuge in Ost- und Südostasien bekannt.
Spätere stratigraphische Schichten der Stätte belegen den weit verbreiteten Übergang vom Bronze- zum Eisenwerkzeugbau, der für die landwirtschaftlichen Siedlungen in der Frühgeschichte der gesamten Region charakteristisch ist.
Es wird vermutet, dass der Klimawandel Mitte des 1. Jahrtausends n. Chr. zur vorübergehenden Aufgabe des Geländes und zur Versiegelung der prähistorischen Siedlungsschichten geführt haben könnte, wodurch deren archäologische Integrität gesichert wurde.
Die Aussagekraft des Anwesens beruht auf seiner archäologischen Integrität. Kohlenstoff-14- und Thermolumineszenz-Datierungstechniken, die von zahleichen internationalen Laboratorien durchgeführt wurden, haben die Authentizität der frühesten Daten von Ban Chiang und die Kohärenz seiner stratigraphischen Aufzeichnungen bestätigt.
Umfassende vergleichende Studien der Sammlung von Artefakten, die bei den Ausgrabungen der Stätte geborgen wurden, bestätigen ihre Beziehung zu anderen bekannten archäologischen Stätten in der Region. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden umfassend veröffentlicht und durch zahlreiche Fachvorträge und Konferenzen einer internationalen Peer-Review unterzogen. Das ausgegrabene Material steht für die weitere professionelle Forschung zur Verfügung.
Nach unterschiedlichen Studien begann in Ban Chiang die Bronzezeit gegen Anfang oder gegen Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. Das in Ban Chiang verarbeitete Kupfer stammte aus dem Hochland von Laos. Die Eisenzeit begann etwa im 7. Jahrhundert v. Chr., schliesslich wurde die Siedlung ungefähr um 300 n. Chr. aufgegeben.
Zu den Artefakt-Assemblagen gehören auch Geräte und Schmuck aus Eisen oder Bronze sowie Glas-, Muschel- und Steinobjekte. Bei einigen Kindergräbern wurden kunstvoll geschnitzte gebackene Tonwalzen gefunden, deren Zweck noch unklar ist.
Die zentrale Debatte im Zentrum der Ban-Chiang-Forschung befasst sich mit den Besiedlungsdaten und ihren Auswirkungen auf den Beginn der Bronzezeit in Südostasien. Zwei konkurrierende Haupttheorien über den Beginn der südostasiatischen Bronzezeit werden als Kurzchronologiemodell (abgekürzt SCM und ursprünglich basierend auf Ausgrabungen in Ban Non Wat) und Langchronologiemodell (LCM, basierend auf Ausgrabungen in Ban Chiang) bezeichnet, unter Berücksichtigung der bei Ausgrabungen an anderen Orten in Südostasien festgestellten Zeitspanne.
Teil der Diskussion ist auch, wie die Gesellschaften der Jungsteinzeit/Bronzezeit organisiert waren: Wurden die Fortschritte in Ban Chiang von Eliten vorangetrieben, die aus China einwanderten, oder wurden sie von einem einheimischen, nicht hierarchischen System (Heterarchie) vorangetrieben? Die jüngste Diskussion zu diesen und verwandten Themen wurde im Herbst 2015 in der Zeitschrift Antiquity veröffentlicht.
Diese Schautafeln zeigen die Daten der Ausgrabungen.
Die ersten Ausgrabungen auf dem Gelände wurden 1967 von der Archäologin Vidya Intakosai durchgeführt, und die nachfolgenden Ausgrabungen wurden Mitte der 1970er Jahre von der Abteilung für Bildende Künste in Bangkok und der University of Pennsylvania unter der Leitung von Chester F. Gorman und Pisit Charoenwongsa durchgeführt.
Der ausgegrabene Bereich der Stätte ist gut vor Beschädigung, Diebstahl oder klimatischen Einflüssen geschützt, sodass die authentische Aufzeichnung der archäologischen Entdeckung der Stätte sowohl von Fachleuten als auch von der interessierten Öffentlichkeit leicht gelesen werden kann.
Wie bei allen archäologischen Stätten, wo nach internationalen wissenschaftlichen Standards gearbeitet wird, wurden in Ban Chiang wesentliche Bereiche absichtlich nicht ausgegraben, um zukünftige Forschungen und die Bestätigung der Authentizität zu ermöglichen.
 
 
Fotos by Beny Werder